Urkunde 1559

 

Die Öschelbronne­r Krust scheinen über Niefern gekommen zu sein. Genaueres wird noch erforscht werden.

Die älteste Urkunde aus Öschelbronn stammt von 1559 und ist ein Schuldbrief des Hans Krust, gegen die Vormünder der Tochter des Heinrich Holzwart aus Mühläcker über 60 Gulden. (Generallandesarchiv Karlsruhe 1559 Febr. 6 2702 Con 117 1109)  Es folgt eine Übertragung, der buchstabentreue Originaltext ist unter der Urkunde:

Ich Hans Krust zu Öschelbronn, Maulbronner Amt, bekenne öffentlich und bekunde jedermann** mit diesem Brief für mich, meine Erben und Nachkommen. Das ich in Betrachtung meines besseren Nutzens, aus gutem freien Willen, wissend und wohlbedacht, besonders mit gnädiger Bewilligung des durchlauchtigen, hochgeborenen Fürsten und Herrn, Herrn Christof Herzog zu Württemberg und zu Teck, Graf zu Mömpelgard, meines gnädigen Fürsten und Herrn. Bei den ehrbaren Hans Spilmann und Hans Kelwar (Kälber) als verordnete Pfleger*** für Heinrich Holzwart selig hinterlassener Tochter zu Mühlacker und all ihren Nachkommen oder dem Inhaber dieses Briefes. Um sechzig Gulden Kapital guter und allgemeiner Württemberger Landeswährung mir von ihnen ehrbar ausgegeben und bezahlt, daran von mir wohlgemerkt eines steten festen Kaufrechts und redlich verkaufe und zu kaufen gegeben habe und jetzt wissend mit diesem Brief zu kaufen gebe drei Gulden vorgeschriebener Währung recht jährlich Zins und Geld. Von außen und ab meinen nach beschriebenen Stücken und Gütern nämlich dreiviertel Wiesen im Bricholl beim Heiligen Kreuz zwischen Hans Brotbeck und Jerg Sterrer (Stöhrer) gelegen, stößt vorne auf sich selbst, hinten auf Thomas Fiess, Acker ein viertel auch im Bricholl in der Krummen Wiesen genannt zwischen Veit Keler (Köler) und im selben, stößt auf Hans Essich (Essig), und unten auf den Bodengraben, Zinsen für die erstbestimmten zwei Stücke sämtlich in der Hans Wurmberger Hufe, Geld ein Schilling, Roggen ein halb Simri (ca. 20 – 24 Liter), Dinkel ein halb Simri und Hafer ein halb Simri, sind ansonsten zinsfrei, ledig und eigen. Hierauf so rede und verspreche ich für mich, meine Erben und Nachkommen oder Inhaber des gemeldeten Unterpfandes, solche drei Gulden Zins und Geld. Den genannten Pflegern***, ihren Nachkommen oder dem Inhaber dieses Briefes nun immer jährlich und jedes Jahr allbei und besonders allewege auf unserer lieben Frau Lichtmesstag (2. Februar), acht Tag davor oder danach, ohne Betrug*, tugendlich und freundlich Zins zu zinsen, entrichten und zu bezahlen und gegen Mühlacker zu ihnen sicheren Händen und (Verfügungs-)Gewalt zu überantworten, für jedermann** entwehren (= sein Recht aufgeben), verhoffen (= Hoffnung darauf aufgeben) und verbieten (= anbieten) dazu für die Steuer, Schatzung (= zusätzliche Steuern) und alle andere und zukünftige Beschwerden, ganz all ihre Kosten und Schaden. Darum so sollen alle bestimmten Wiesen, der genannten Pfleger*** und allen ihren Nachkommen recht bewertetes Gültgut (Grundschuld) und Unterpfand heißen und sein und von mir, meinen Erben und Nachkommen in gutem Wesen bebaut und in Ehren gehalten werden. Welches Jahr aber ich oder meine Erben an Reichung solches Zinses oder anderen säumig würde, so mögen alsdann die genannten Pfleger*** oder ihre Nachkommen das gemeldete Gültgut und Unterpfand, was auch deren abging (= fehlte), alsdann alles andere mein, meiner Erben und Nachkommen Hab und Güter, liegende und fahrende darum haben anzugreifen (= nehmen) und zu ihren Händen ziehen nach dem jährlichen Zins und des Fürstentum Württemberg allgemeinen ausgegangenen Landrechts ohne Hinderung durch mein, meiner Erbe und sonst jedermann** allewege, dann ich mich allen Schirms und Behelfes dagegen zu gebrauchen zusammen mit den Rechten allgemeiner Verzeihung (= Verzicht) widersprechend ganz und gar verziehen (= verzichten) und begeben (= aufgegeben) habe in Kraft dieses Briefes. Doch ist mir, meinen Erben und Nachkommen aus Freundschaft zugelassen, das wir nun immer, welches Jahr wir wollen, auf unserer Lieben Frau Lichtmesstag acht Tag vor oder danach ohne Betrug* solche drei Gulden Zins und Geld, zerteilt allewege mit zwanzig Gulden Kapital einen Gulden Zins vorgeschriebener Währung wollen wieder kaufen und ablösen mögen. Doch sollen wir ihnen das ein viertel Jahr zuvor redlich ankündigen und treu zu wissen geben und ohne Betrug*. Wir Schultheiß und Gericht zu Öschelbronn bekennen auch besonders in diesem Brief, das die vorne geschriebenen Käufer und alle ihre Nachkommen mit dem bedachten Unterpfand genügend versorgt und versichert sind, also wenn das unser und jedes besondere eigene Sache wäre, haben wir auf unseren Eid in diesen Zeiten allgemeiner Beachtung nach daran ein gut Vermögen. Und dies zu wahrer Verkündigung, so habe ich, oben genannter Hans Krust als Hauptperson und mit mir der bestimmte Schultheiß und Gericht ihre Erkenntnis der Unterpfand mit Fleiß erbeten. Den ehrenharten und vornehmen Wendel Stecher, Vogt zu Maulbronn, unseren günstig Herrn, Das er sein eigenes Siegel öffentlich an diesen Brief gehängt hat. Welches ich jetzt gemeldeter Vogt auf berührter Personen Bitte nach geschehener Bewilligung getan habe, bekenne. Durch meinen gnädigen Fürsten und Herrn, an ihrer fürstlich Gnaden aber und Herrlichkeit nicht betroffen mein und meiner Erben ohne Schaden. Das Geben ist auf Sonntag nach unseren Frauen Lichtmesstag als man zählt von der Geburt Christi tausendfünfhundertneunundfünfzig Jahre. (6. Februar 1559)
* vngeuarlich = ohne böse Absicht, ohne Betrug ** (aller)meniglich = jedermann *** Vormünder

01 Ich Hanns Krust zu Öschelbronnen maulbronner amptz. Bekenn offentlich vnnd thun kundt allermeniglichen mit diesem brieue für mich meine erben
02 vnnd nachkomenn. Das ich inn betrachttung meins bessern nutzen, vß guttem freyem willen, wissendt vnnd wolbedacht insonderheit mit gnediger bewilligung
03 des durchleüchttigen hochgebornnen fürsten vnnd herrn, herrn Christoffen hertzogenn zu württemperg vnnd zu teckh, graue zu mümppelgarts meins gnädigen fürsten vnnd
04 herrn. Bey den erbarn Hanns Spilmann, vnnd Hanns Kolwar alls verordnete pfleger Heinrich Holtzwartten selig[en] verlassen dochtterlin zu mülackher, vnnd allen iren nachkom[en]
05 oder inhaber dis brieffs. Vmb sechzig guldin hauptgutz gutter vnnd gemeiner württemperger landtz werung, mir vonn inen also bar erberlichen vßgericht vnnd betzaltt
06 darann mich wolbemärgt, ains stetten vesten kauffs recht vnnd redlich verkauff, vnnd zekauffen geben hab, vnnd ietzo wissentlich mit diesem brieue zekauffen gib. Drey
07 gulden vorgeschribener werung rechtz ierlichs zins vnnd geltz. Vonn vssen vnnd ab meinen nachgeschribnen stuckh vnnd gietter nemlich dreu viertheyl wisen im bricholl
08 beim haylgen kreitz, zwischenn Hanns Brotbeckhen, vnnd Jerg Sterrer gelegenn, stoßt vornnen vff sich selbs, hinden vff Thoman Fiessen, ager ain fiertheyl auch im bricholl in
09 der krumen wisen genannt zwischen Veit Keler, vnnd im selbs, stoßt vff Hanns Essich, vnnd vnden vff den Bodengraben, zinsen erstbestimpte zwai stuckh samentlich inn
10 Hanns Wurmbergers huob gellt ain schilling rockhen ain halb simerin dinkhel ain halb simerin vnd habern ain halb simerin seyen sonsten zinsfrej ledig vnnd aig. Hierauff
11 so gered vnnd versprich ich für mich meine erben, vnnd nachkomen oder inhaber der gemelten vnderpfandt solliche drey guldin zins vnnd gelltz. Den genanntten pflegern
12 iren nachkomenn oder inhaber dis brieffs. Nun fürehin jerlichs, vnnd ains jeden jars allein vnnd besonnder alweg[en] vff vnser lieben frowen liechtmestag achttag vor od[er]
13 nach vngeuarlich tugentlich vnnd freündtlich zutzinsen, zurichten, zubetzalen, vnnd genn mülackher zu iren sichern handen vnnd gwalt zu antwurtten, für allermeniglichs
14 entwörn, verhoffen, vnnd verbietten. Dartzu für steur, schatzung, vnnd all ander gegenwärttig vnnd künfftig beschwerden, gentzlichens all[en] iren costen vnnd schadenn.
15 Darumb so soll auch die albestimpten wisen der genannten pfleger, vnd allen ihren nachkomen, recht bewerdt gültgut, vnnd vnderpfandt hayssen vnnd sein, vnnd von mir, mein[en]
16 erben vnnd nachkomen inn gutten wessenlichen buwenn vnnd eeren gehalten werden. Welchs iars aber ich oder meine erb[en] ann reichung sollchs zins od[er] anderm,
17 sömig würden. So megen alßdann die gedachtten pfleger, oder ire nachkomenn das gemelt gültgut vnnd vnderpfandt, wa auch deren abgieng alßdann all ander mein,
18 meiner erben vnnd nachkomenn haab vnnd gietter, ligende vnnd varende darumben haben antzugreiffen, vnnd zu iren handen ziehen nach ierlichs zins, vnnd des fürst-
19 enthumbs württemperg gemeinen vßgang[en] landtrechten, one verhindert mein meiner erb[en] vnnd sonst meniglichs inn alweg. Dann ich mich alles schirmbs vnnd behelfs
20 darwider zueprauchen mit sampt den rechten gemeiner vertzeihung widersprechend gar vnnd gentzlich vertzigen vnnd begeben hab inn crafft dis brieffs. Doch so ist mir
21 meinen erben vnnd nachkomen, vß freündtschafft zugelassen. Das wir nun fürehin welchs jars wir wollen, vff vnser lieben frowen liechtmestag achttag vor od[er] nach
22 vngeuarlich solliche drey guldin zins vnnd geltz, zerthailt alwegen mit zwaintzig guldin hauptgutz ainem guldin zins vorgeschribner werung woll widerkauffen vnnd
23 ablesen megen. Doch sollen wir inen das ain viertheyl jars zuuor redlich abkinden vnnd zuwissen thun getreuelich vnnd vngeuarlich. Wir schulthais vnnd gerichtt
24 zu eschelbronnen, bekennen auch sonderlich inn diesem brieff. Das die vorgeschriben koüffere, vnnd alle ire nachkomen, mit den gedachtten vnderpfandt gnugsam
25 versorgt vnnd versichert sein, also wann das vnser, vnnd iedes insonder aigenn sach were, hetten wir vff vnser aidt zu diesen zeitten gemeiner achttung nach daran ain
26 gut vermegen. Vnnd des zu warem verkundt, so hab ich obgenannter Hanns Krust alls hauptsacher, vnnd mit mir bestimpte schulthais vnnd gericht irer erkhantnus d[er]
27 vnterpfandt wegen mit vleis erpetten. Den ernhaften vnnd fürnemen Wendel Stecher vogt zu maulbronnen vnsern günstig[en] herrn. Das er sein aigen insigel off-
28 entlich ann disen brieff gehenkht hat. Welchs ich jetz gemelter vogt vff berürter personen bitt nach geschehner bewilligung gethan hab bekenn. Doch meinem gnedigen fürsten
29 vnnd herrn, ann ihrer fürstlich gnaden aber vnnd herligkeit vnergriffen auch mir vnnd meinen erb[en] one schaden. Der geb[en] ist vff zontag nach vnserer frowen liecht-
30 mestag als mann zalt von d[er] geburt christi tausent fünffhundert funffzig vnnd neün jare.

Für die Mithilfe bei der Entzifferung der Urkunde danke ich Herrn Helmut Walther und Herrn Hubert Krebser

Anmerkungen: Es wurde eine buchstabengetreue Umschrift versucht. Die Interpunktion wurde versucht so original getreu wie möglich zu erfassen. Großgeschrieben werden Personenamen und Initiale nach einem Punkt bzw. einen Komma und folgendem größeren Abstand. Abkürzungen wurden mit einer eckigen Klammer aufgelöst. Letzte Zweifelsfälle bleiben, irgendwann einmal sind sie am Original der Urkunde zu klären.